Dies ist die Geschichte eines bemerkenswerten Mannes, dessen Geschichte nicht weniger faszinierend ist als die von Steven Jobs. In 50 Jahren Führung verwandelte er eine kleine Schmelztiegel-Druckmaschinenfabrik am Bahnhof der Stadt Heidelberg in ein riesiges, florierendes Unternehmen.
Es gibt nur sehr wenige Informationen über ihn im Internet, aber dieser Mann kann ohne Zweifel als der Vater des Buchdrucks bezeichnet werden. Weißt du, wer die DRUPA-Ausstellung gegründet hat, die jeder selbstrespektierende Drucker immer noch für notwendig hält? Sein Name ist Hubert Sternberg.
Natürlich hat dieser Mann seine eigene Geschichte voller Höhen und Tiefen. Inspiriert vom Erfolg der Buchdruckmaschinen wechselte er beispielsweise später als andere zu Offsetmaschinen. Aber besser spät als nie. Der Beitrag dieses Mannes zur Druckindustrie ist enorm, und ohne ihn wären wir definitiv an einem anderen Entwicklungspunkt.
Hubert H. A. Sternberg wurde 1897 in Potsdam geboren. Er bildete eine Ausbildung und arbeitete als Geschäftsmann beim Berliner Tageblatt Mosse, wo er bereits mit Druckereien beschäftigt war.
1923 wechselte er zur Richard-Kahn-Gruppe in Berlin, die auch die Hochgeschwindigkeitspresse in Heidelberg besaß. 1926, während der Wirtschaftskrise, trat er in den Vorstand des Heidelberger Werks ein.
Dank Sternbergs Fachwissen, seines gesunden Markturteils und Veränderungen in Produktions- und Vertriebsmethoden begann die Schnellpresse langsam aufzusteigen. 1937 wurde Sternberg zum Vorsitzenden des Vorstands ernannt.
Der Applaus für Hubert Heinrich Adalbert Sternberg bei der Feier seines 90. Geburtstags am 13. Januar 1987 im Europäischen Hof Hotel in Heidelberg war warm und aufrichtig. Nachdem ihm die Dithyrambs vorgesungen worden waren, kündigte der große und energiegeladene Ehrengast seine Absicht an, ein besonderes Lied zu singen, und rief die Gäste auf, mit ganzem Herzen bei der zweiten Strophe mitzumachen. Begleitet von der örtlichen Blaskapelle Kurpfätzer Jagdhornbläser sang der Potsdamer fröhlich ‚Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren‘. (Ich habe mein Herz in Heidelberg verloren…).
Es bestand kein Zweifel daran, dass Sternberg – verbunden an sein Haus in der ‚Philosophenallee‘ an den Hängen gegenüber der Altstadt und den Menschen von Heidelberg – tatsächlich zu seiner Lieblingsgesellschaft gehörte.
Sternberg starb nur wenige Monate später, am 22. Juni 1987. Aber er wird immer als der große alte Mann der Druckerei in Erinnerung bleiben. Als Empfänger vieler Ehrungen und Auszeichnungen für seinen langjährigen Beitrag zur deutschen Wirtschaft war er bereits zu Lebzeiten eine Legende.
46 Jahre lang prägte er das Schicksal Heidelbergs.
Als der 76-Jährige Ende 1972 als Vorsitzender des Vorstands zurücktrat und zum Ehrenmitglied des Aufsichtsrats ernannt wurde, konnte er auf ein Leben voller herausragender Leistungen zurückblicken.
Als Unternehmer im wahrsten Sinne des Wortes hatte er Heidelberger Druckmaschinen aus einem kleinen und unbedeutenden Unternehmen aufgebaut, um zum weltweit führenden Hersteller von Druckmaschinen zu werden. Die drei Säulen der Sternberg-Unternehmensphilosophie spielten eine entscheidende Rolle bei diesem Erfolg: Produkt, Markt und gutes Geschäftsvermögen.
Seine weiteren Stärken waren sein intuitives Verständnis technischer Probleme und seine Fähigkeit, andere mit seiner eigenen Begeisterung zu begeistern. Der von ihm etablierte ‚Heidelberg-Geist‘ vereinte alle Mitarbeiter, vom obersten Direktor bis zum jüngsten Praktikanten, und half dem Unternehmen durch die schwierigsten Zeiten.
Als der 29-jährige Sternberg 1926 von Berlin nach Heidelberg zog, um die ‚Fabrik an den Bahngleisen‘ zu übernehmen, lief es nicht gut. Die Schnellpressenfabrik stand kurz vor der Insolvenz. Doch es gelang ihm, dies zu verhindern, indem er beschloss, all seine Anstrengungen auf ein Produkt zu konzentrieren – das Heidelberger Platen.
Mit dieser ersten vollautomatischen Blechdruckmaschine, auf Deutsch ‚Tiegel‘ genannt, legte Sternberg den Grundstein für Heidelbergs weltweiten Ruhm. Die Kombination aus kosteneffizienter Förderbandproduktion und innovativen Marketingideen ermöglichte es ihm, die Exporte zu steigern und den Namen ‚Heidelberg‘ zu einem Wort von Prestige, Kraft und Zuverlässigkeit für Drucker weltweit zu machen.
Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg trug Sternberg nicht nur zum Wiederaufbau seines eigenen Unternehmens bei, sondern auch zur Wiederbelebung und Stärkung der Heidelberger Handelskammer. Als dessen Präsident zwischen 1945 und 1949 knüpfte er Verbindungen zu den amerikanischen Besatzungsbehörden, und 1949 organisierte er die erste deutsche Nachkriegsausstellung in New York. In den Jahren der Engpässe vor der Währungsreform versorgte Sternberg sein Personal durch die Exportinitiative „Machines for Food“.
Das Ausmaß seiner persönlichen Beteiligung war hoch, und er überwachte viele Dinge selbst. Wenn neue Druckmaschinen entwickelt wurden, verbrachte er seine Tage am Zeichenbrett neben den Konstruktören. Er empfing oft persönlich Vertreter und Kunden, die nach Heidelberg reisten, und nutzte die Gelegenheit, sich nach Heidelbergs Status in deren Regionen zu erkundigen.
Zu Sternbergs bedeutendsten Entscheidungen in den 1950er Jahren gehörte der Bau eines neuen Produktionsstandorts in Wiesloch, nachdem Pläne zur Produktionsausweitung in Heidelberg selbst abgelehnt worden waren. Mit seiner charakteristischen Weitsicht sorgte er dafür, dass genügend Platz reserviert war, ohne den die Schnellpressenfabrik ihre ehrgeizigen Investitionspläne für das nächste Jahrzehnt nicht hätte verwirklichen können. Die weitreichenden Folgen dieser Entscheidung werden bis heute in Erinnerung behalten, nicht zuletzt wegen der Berufsschule in Wiesloch, die seinen Namen trägt.
Aufgrund des Platzmangels in Heidelberg wurde 1957 das neue Werk in Wiesloch errichtet, wo die Zahl der Mitarbeiter von 850 auf 5000 anstieg. Die Zahl der Industriepraktikanten, die erst 1977 nach Wiesloch kamen, liegt bei etwa 340.
Als Hubert H. A. Sternberg 1962 seinen 65. Geburtstag feierte, war er noch lange nicht in den Ruhestand und blieb tatsächlich weitere zehn Jahre an der Spitze des Unternehmens. In dieser Zeit änderte das Unternehmen seinen Namen von Schnellpressenfabrik in Heidelberger Druckmaschinen AG, um seine technischen Leistungen hervorzuheben. Sternberg war ein herausragender Mann, der keine Angst hatte, seine Entscheidungen zurückzunehmen. 1961 stimmte er beispielsweise trotz einiger Skepsis zu, neben Buchdruckmaschinen auch Offsetpressen herzustellen.
Sternberg spielte auch eine besonders wichtige Rolle bei der Entstehung und Erweiterung der Drupa-Ausstellung in Düsseldorf. Er übernahm ab ihrer Gründung 1951 die Verantwortung für die weltweit größte Fachmesse für die Druck- und Verlagsbranche.
Er war es, der der Werbung für Aussteller und Besucher einen entscheidenden Schwung gab. Und dank ihm erhielt Düsseldorf Anfang der 1970er Jahre ein modernes Messengelände. Vor Drupa 72 leitete er das Ausstellungskomitee und war anschließend dessen Ehrenpräsident. Zu den zahlreichen Ehrungen und Auszeichnungen, die er für seine Verdienste um die Industrie erhielt, gehörten das Nationale Verdienstkreuz mit Stern (in das er 1962 persönlich von Ludwig Erhard, damals Bundesminister für Wirtschaftsangelegenheiten, investiert wurde) und ein Ehrendoktor als außerordentlicher Professor an der Polytechnischen Hochschule Aachen (1967).
Doch der Titel, der ihm zweifellos am meisten Freude bereitete, war der Titel ‚Vater der Drucker‘, der ihm von zufriedenen Kunden verliehen wurde.
Basierend auf Materialien (с) Heidelberg 1850-2000, PCS-Presse Service & Consulting GmbH, München, ISBN 3-00-006505-9 und HSS Wiesloch School
Auch erhältlich aufMedium.com
